Rückblick auf das WordCamp Frankfurt 2016

An diesem Wochenende fand das erste WordCamp in Frankfurt am Main statt. Es war auch das zweite in Deutschland für dieses Jahr und das insgesamt sechste, das ich in diesem Jahr besuchen werde. An zweit Tagen gab es wieder viele spannende Sessions von deutschen und internationalen Speakern.

Freitag: Contributor Day

Anders als sonst in Deutschland gewohnt, fand der Contributor Day am Freitag und somit vor dem WordCamp statt. Ich bin morgens früh um halb sechs Uhr morgens aus Berlin direkt angereist. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit dem WLAN und einem dadurch notwendigen Wechsel des Gebäudes, war es noch ein recht produktiver Tag. Also nicht wirklich für mich, aber für die meisten um mich herum. Denn ich wurde mit hunderten Fragen zu VVV (eine Vagrant Umgebung für WordPress), PhpStorm, PHP Code Sniffer, WordPress Coding Standards und Co. gelöchert. Auch wenn ich also nicht an dem einen Ticket weitergekommen bin, war der Tag doch sehr gut.

Das Thema WordPress Coding Standards wollte ich ja ohnehin schon länger mal in meinem Blog verarbeiten. Aber auch die Einrichtung von VVV werde ich, vermutlich im Rahmen eines Screencasts, mal in Angriff nehmen.

Am Abend fand eine kleine Warmup Party statt, an der ich aber nicht teilgenommen habe. Stattdessen habe ich meine Brüder in meiner Heimatstadt Mannheim besucht. Wenn man schon mal so nah ist, muss das einfach sein 🙂

Samstag: Der erste Konferenztag

Am Samstag ging es dann mit über 200 Teilnehmer mit den Vorträgen in den ersten Konferenztag. Nach einer kurzen Begrüßung gab es im größten Hörsaal der Goethe Universität Frankfurt eine Keynote.

#Mitgemeint

Die Keynote des WordCamp Frankfurt hielt Caspar Hübinger, einigen besser bekannt unter seinem Pseudonym GlückPress. Caspar ist mein Mensch mit vielen Talenten. Eines der herausragendsten ist sein Talent für „etwas andere Vorträge“. Das ist aber nicht negativ gemeint, sondern ganz im Gegenteil voller Bewunderung.

Zu Beginn seiner Keynote bat er alle, die am Freitag beim Contributor Day dabei waren, doch einmal aufzustehen. Er dankte dann allen und es wurde applaudiert. Dann dankte er auch all denjenigen, die zwar nicht am Freitag, dafür aber bei anderer Gelegenheit an WordPress mitgearbeitet haben. Diese seinen selbstverständlich ausdrücklich „mitgemeint“. Aber da dies zu unpersönlich war, bat er auch diese Gruppe aufzustehen und es wurde ebenfalls applaudiert.

Was dann folgte war ein beeindruckender und nachdenklich stimmender Talk über dieses „mitgemeint“ und wie es bei der Gruppe derer, die nur mitgemeint sind, ankommen kann.

Über einen Exkurs der deutschen Sprache bezogen auf die Entstehung und Femininum kam er dann doch noch zu einem WordPress bezogenen Thema. Er hat sich mal die Mühe gemacht und die deutsche Übersetzung von WordPress nach den Vorkommnissen eines Genus durchsucht. Vor allem das Wort Benutzer kommt hierbei sehr häufig vor, wobei nur etwa 8% aller Strings ein Genus haben.

In einem Projekt hat er sich darangemacht und die deutsche Sprachdatei komplett überarbeitet, damit sich eben jede Nutzerin und jeder Nutzer angesprochen fühlt und nicht nur „mitgemeint“ ist.

Sobald das Video auf WordPress.tv hochgeladen wurde, werde ich es natürlich auch hier verlinken.

Der Umgang mit Frustration im Open-Source-Umfeld

Aber natürlich gab es neben der Keynote auch noch andere Sessions. Insgesamt gab es drei Räume für Sessions und hierbei auch jeweils einen englischen Vortrag.

Als nächste habe ich mir aber eine Session von Torsten Landsiedel angesehen, der über Frustration berichtet hat. Zum einen die Frustration als Nutzer von WordPress, aber eben auch die Frustration, die man als Contributor beispielweise im Forum erfahren kann. Ich konnte das aus der eigenen Erfahrung, in beiden Rollen, sehr gut nachvollziehen.

Supercharge your WordPress Website with Apache Solr

Im Anschluss habe ich mir eine englischsprachige Session zur Suchengine Solr angesehen. Ich hatte euch ja in der letzten Woche erneut von Elasticsearch berichtet. Beide Lösungen basieren im Kern auf Lucene. Leider konnte ich aus der Session nicht mitnehmen, wo sich die beiden Lösungen unterscheiden. Da aber das vorgestellt Plugin sehr viel komplizierter aussah, werde ich erst einmal weiterhin mit Elasticsearch arbeiten, da es aktuell auch alle Anforderungen abdeckt.

WordPress 2025

Im Talk von Sven Wagener hat er uns seine persönliche Vision vorgestellt, wohin sich WordPress in einigen Jahren entwickeln könnte. Er sieht es in Zukunft als Lösung für App-Plattformen. In letzter Konsequenz sogar abseits von Webservern und integriertet in Hardwaresysteme. Als kleinen Anwendungsfall hatte er gezeigt, wie man über die REST API von WordPress eine Lampe anschalten und die Farbe verändern kann. Nicht unbedingt ein Must-Have für jeden WordPress Nutzer, aber eben mal etwas ganz Anderes 🙂

Ligthning-Talks

In den drei folgenden Lightning-Talk hat unter anderem Michaela Steidel über das Theme Weaver Xtreme berichtet, dass es einem ermöglich, mit hunderten von Option das Basistheme an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Nicht wirklich ein Ansatz, den ich als PHP-Entwickler wählen würde, aber für bestimmte Anwender bestimmt spannend.

Der Lightning-Talk von Frank Staude war für mich sehr interessant und den wollte ich auf keinen Fall verpassen. Er hat darüber berichtet, wie bei den Meetups in Nürnberg und Würzburg die Vorträge aufgezeichnet werden, so dass sie keinerlei Nachbearbeitung erfordern und sofort veröffentlicht werden können. Das muss ich unbedingt für Berlin ausprobieren. Vorher muss ich mir aber noch überlegen, ob ich für die Finanzierung der Technik einen Sponsor suchen sollte, denn die etwa 350€ möchte ich dann nicht auch noch aus eigener Tasche zahlen 🙂

Ich stelle hier die Fragen

Den sehr unterhaltsamen Abschluss des Tages bildete schließlich „der Quizmaster“ Hans-Helge Bürger. In einem interaktiven Quiz, bei dem alle Teilnehmer mit ihren Mobilfunkgeräten teilnehmen konnten, wurden die Kenntnisse rund um WordPress abgefragt. Dieses Quiz hat Hans-Helge auch schon beim Meetup im Juli in Berlin gemacht und auch dort ist es super angekommen.

Community Party

Am zweiten Abend habe ich mich selbstverständlich nicht wieder abends verabschiedet, sondern habe mich unter die Community gemischt und sehr viele interessante Gespräche geführt. Auch mit Leuten, mit denen ich schon länger mal sprechen wollte.

Sonntag: Der zweite Konferenztag

Ich bin am Samstagabend wieder nach Mannheim gefahren und gemütlich morgens mit der Familie gefrühstückt. Leider hatte ich versäumt, vorher zu prüfen, ob die Regionalbahn auch am Sonntag fährt. Diese tat es leider nicht, also musste ich für den doppelten Preis mit dem ICE über Mannheim Bahnhof fahren. Aber egal, somit habe ich nur den ersten Slot verpasst.

Q&A Plugin Development as a Business

Im zweiten Slot habe ich mich in die Session von Thomas Maier gesetzt, der in einer Frage- und Antwort-Runde seine Erfahrungen mit dem Vertrieb von Premium Plugins geteilt. Ich habe zwar noch immer nicht vor eines meiner Plugins zu verkaufen, aber ich konnte einige interessante Einblicke mitnehmen.

Scaling WordPress – WP on AWS

Nach der Mittagspause ging es weiter mit Stefan Kremer und einer sehr lehrreichen Session zum Cloud Hosting von Amazon und wie man es mit WordPress einsetzen kann. Auch dies ist ein Thema, an das ich mich bisher aufgrund seiner Komplexität noch nicht herangetraut habe. Aber ich denke ich werde es jetzt einmal versuchen.

Child Plugins

Im nächsten Slot war dann meine eigene Session dran. Darin habe ich eine kleine Zusammenfassung meiner Artikelreihe zu Thema Child Plugins präsentiert. Die Session scheint auch ganz gut angekommen zu sein.

The Secret for Writing Reusable Code

In der vorletzten Session ist Alain Schlesser auf die Entwicklung von PHP Code eingegangen, den man in anderen Projekten wiederverwenden kann, ohne ihn anpassen zu müssen. Dabei hat er einen Konfigurationsansatz vorgestellt, der nicht ganz so komplex wie beispielsweise im Symfony Framework ist und daher wohl für unerfahrenere Entwickler in diesem Thema gut einsetzbar ist.

Where Are The Core Contributors?

Die letzte Session des WordCamp Frankfurt war für mich der erste Talk von Felix Arntz. Er hat seine Erfahrungen von etwas über einem Jahr seiner Mitarbeit am WordPress Core berichtet. Dabei ist er auch auf viele „Streitthemen“ eingegangen, die wohl jeder Contributor am Anfang selbst erlebt hat.

Drei WordCamps im Jahr 2016

Nachdem es letztes Jahr zum ersten Mal zwei WordCamps in Deutschland in einem Kalenderjahr gab, wird es dieses Jahr zum ersten Mal drei geben. Am 29. Oktober trifft sich die WordPress Gemeinschaft in Köln. Das Format orientiert sich hierbei allerdings an einem klassischen Barcamp. Ob ich dort also auch einen Vortrag halten darf, wird wohl davon abhängen, ob mein Thema spannend genug ist 🙂

Ich würde mich auf jeden Fall freuen, den ein oder anderen von euch wieder auf einem WordCamp zu treffen oder auch mal ganz neue Teilnehmer zu treffen. Vielleicht ja im nächsten Jahr auch mal wieder ganz bei mir in der Nähe 😉

Veröffentlicht von

Bernhard ist fest angestellter Webentwickler, entwickelt in seiner Freizeit Plugins, schreibt in seinem Blog über WordPress und andere Themen, treibt sich gerne bei den WP Meetups in Berlin und Potsdam herum und läuft nach Feierabend den ein oder anderen Halbmarathon.

2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Schöne knackige Zusammenfassung! Danke. 🙂

    In Sachen WordPress Coding Standards gibt es seit ein paar Stunden einen neuen umfassenden Style Guide für modernes JavaScript in WordPress-Projekten:
    -> https://github.com/inpsyde/javascript

    Dieser basiert auf den offiziellen Standards, wurde hier und da jedoch etwas modifiziert, und komplett auf ES6 ausgelegt.

    Für alle, die ESLint (oder JSHint) nutzen, gibt es eine Shareable Config, die dem Style Guide entsprechend lintet.

    • Sieht sehr spannend aus. Ich muss zugeben, dass ich mich mit den Details von ES6 noch überhaupt nicht beschäftigt habe. Aber im Vergleich zu früher schreibe ich auch sehr viel weniger JavaScript. Ich muss wohl mal wieder damit anfangen 🙂

      P.S. Für diese „knackige“ Zusammenfassung hatte ich ja auch eine 4h ICE Fahrt von Frankfurt nach Berlin Zeit.

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