In einer Woche wird mein Blog 17 Jahre alt, und dies ist erst mein zweiter Blogbeitrag in diesem Jahr. Ich habe bereits einige Themenideen im Kopf, aber zuerst möchte ich darüber schreiben, was vor etwa einer Woche passiert ist. In meinen WordCamp-Berichten geht es oft um die Vorträge, die ich mir angesehen habe. Dieser Blogbeitrag wird jedoch etwas anders ausfallen.
Zu Besuch in Polen
Seit einigen Jahren trifft sich die europäische WordPress-Community jedes Jahr im Juni zum WordCamp Europe. Und wir haben wieder eine neue Stadt und ein neues Land besucht: Krakau in Polen. Das war meine erste „richtige Reise“ nach Polen, und die Stadt hat mich nicht enttäuscht. Am Dienstag sind wir mit dem Zug von Berlin bis nach Krakau gefahren. In nur etwa 7 Stunden kamen wir an unserem Ziel an. Aber wer sind wir?
Mein erster WordCamp-Besuch mit Familie
Wie einige von euch vielleicht wissen, bin ich Ende letzten Jahres Vater geworden. Und alle, die ebenfalls Kinder haben, wissen vermutlich, dass sich vieles verändert. Auch der Besuch eines WordCamps ist nicht mehr dasselbe wie früher. Da meine Frau Ingrid mich seit 2022 zu vielen WordCamps begleitet und sich auch beim WCEU wieder als Volunteer angemeldet hat, musste ich meine Tage anders planen.
Treffen mit der Community
Am Dienstagabend haben wir in der Nähe unserer Wohnung mit einigen Mitgliedern der deutschen Community zu Abend gegessen. Im Restaurant haben sie uns in den „Familienbereich“ gesetzt, der aber eher für ältere Kinder gedacht war.
Am Mittwoch haben wir dann am jährlichen WCEU-Picknick teilgenommen, das von Patricia BT, Michelle Bulloch und Jason Rouet organisiert wurde. Ich würde mal schätzen, dass etwa 30 Leute aus vielen verschiedenen Ländern dabei waren. Alle haben etwas zu essen oder zu trinken mitgebracht und alle konnten sich ein wenig durchprobieren. Dieses Pre-Event gefällt mir immer sehr gut.
Contributor Day
Der Donnerstag ist traditionell für den Contributor Day beim WordCamp Europe reserviert. Da ich Co-Table-Lead am Multisite Table eingeplant war – ein Table, den es erst seit letztem Jahr gibt – konnte Ingrid nicht teilnehmen und contributen. Mein Kollege Dennis, der Lead des Tables war, und ich waren erst ein wenig unsicher, wie viele Leute kommen würden, mussten aber beide unsere zugewiesenen Tische nutzen. Ich habe Manja den ganzen Tag über durch den Prozess geführt, wie an einem Trac-Ticket mitgearbeite wird und wie die Einreichung eines Patches funktioniert. Am Ende des Contributor Day hatte Manja einen Patch fertig, der zur Überprüfung und für Feedback bereitstand.
Der Abend des Contributor Day war für „The Social“ reserviert. In diesem Jahr fand es an einem Ort mit vielen Arcade-Spielen statt und alle haben 5 Spielmarken bekommen, um einige davon auszuprobieren. Es gab auch Billardtische und einen kleinen (kostenlosen) Bowlingbereich.
Der erste Konferenztag
Da Ingrid früh am Morgen ihre erste Schicht hatte, bin ich mit dem Kinderwagen zu den Opening Remarks gegangen. Unser Kind konnte sich die riesige Bühne ansehen. Für die Keynote bin ich dann aber nicht geblieben, sondern habe stattdessen ein paar Leute getroffen und mir einige Sponsors angesehen.
Es war interessant zu sehen, wie die Leute darauf reagiert haben, wenn man einen Kinderwagen mit Babywanne herumschiebt. Ich war aber nicht der Einzige mit einem kleinen Kind. Es gab sogar noch jüngere. Aber es war interessant, ganz andere Gespräche mit den Leuten zu führen. Im Laufe der Jahre hat man einige der Teilnehmenden schon oft auf verschiedenen WordCamps getroffen. Aber erst dieses Mal, mit einem Säugling dabei, kam man auf ganz andere Themen zu sprechen, und die Leute haben mir erzählt, dass sie ebenfalls gerade Eltern geworden sind oder bereits etwas ältere Kinder haben. Das wusste ich von vielen der Teilnehmenden, die ich schon mehrfach getroffen hatte, gar nicht. Ein Vater hat mir sogar erzählt, dass er erst vor drei Monaten ein Neugeborenes bekommen hätte, und obwohl er auch viel ältere Kinder hat, hat er viele der grundlegenden Dinge schon wieder vergessen, die man mit einem Baby tun muss.
Nachdem Ingrid ihre Schicht beendet hatte, sind wir kurz in den Vortrag „Accessibility in themes: easier than you think“ von Jessica Lyschik gegangen, aber nach etwa 10 Minuten fing unser Kind an zu „reden“, und wir mussten gehen.
Eine weitere Tradition bei den großen WordCamps ist das von Hostinger organisierte Abendessen für die Table Leads des Contributor Day und einige andere Mitwirkende. Dieses Mal sind wir zum Salzbergwerk Wieliczka in der Nähe von Krakau gefahren. Nach einer etwa einstündigen Führung gab es Abendessen … in 135 Metern Tiefe im Bergwerk! Was für ein fantastischer Veranstaltungsort!
Der zweite Konferenztag
Ingrid hatte wieder die Frühschicht, und sind nach der ersten Pause dazugestoßen. Ich habe vor der Mittagspause keinen Vortrag besucht, sondern mich mit mehr Leuten und Sponsoren unterhalten. In diesem Jahr war mein Hauptprogramm eigentlich der „Hallway Track“. Am Nachmittag habe ich es dann endlich geschafft, einen Vortrag (fast) vollständig zu sehen.
Improving the performance of the WordPress Query classes
In diesem Vortrag hat uns Peter Wilson gezeigt, wie das Core-Performance-Team die WP_Query Klasse leistungsfähiger gemacht hat. Vor den Verbesserungen gab es auf der Blog-Startseite 6 SQL-Abfragen. Die ersten beiden Abfragen wurden nicht gecached. Da die erste Abfrage in der Regel die komplexeste und langwierigste ist, hat eine Verbesserung hier große Auswirkungen. Er hat die Schritte erläutert, die das Team unternommen hatte, wie sie die Leistung in einer späteren Version noch weiter steigerten und wie diese Verbesserung die SQL-Abfragen für „The Loop“ auf null reduziert haben, wenn ein persistenter Objekt-Cache verwendet wird. Ein fantastischer Vortrag mit Einblicken, wie man seinen Code für eine bessere Leistung optimieren kann.
Fireside Chat
Leider konnte Matt aus persönlichen Gründen dieses Jahr nicht zum WordCamp Europe kommen. Es war das erste WCEU, das er verpasst hat. Bei der Fireside-Chat-Session haben sich Matías Ventura, Mary Hubbard und Rich Tabor über verschiedene Aspekte des WordPress-Projekts unterhalten und auch über die Initiative „WordPress in education “ gesprochen. In der anschließenden Fragerunde konnten die Teilnehmenden ihnen Fragen stellen. Patricia hat nach mehrsprachigem WordPress gefragt und wann wir mit etwas im Core rechnen können. Das ist etwas, das viele Menschen aus Ländern mit mehreren Amtssprachen benötigen. Aber auch ich brauche das für diesen Blog, der ja auch zweisprachig ist. Leider gab es keine gute Antwort auf diese Frage, und Matt hat sie auf eine Weise beantwortet, die so klingt, als sähe er dafür keinen Bedarf.
Closing Remarks
Das ist der Teil, auf den ich mich immer besonders freue. Das Organisationsteam kommt auf die Bühne und bedankt sich bei allen Teams, Freiwilligen, Vortragenden, Sponsoren und allen anderen, die dazu beigetragen haben, das WordCamp zu einem Erfolg zu machen. Das WordCamp Europe 2026 war eine ziemlich große Veranstaltung. Aber zu meiner Überraschung war es immer noch kleiner als das WCEU2019 in Berlin:
Aber dann haben wir endlich erfahren, wohin die Reise als Nächstes geht. Das WCEU 2027 wird zum ersten Mal in ein Land zurückkehren, das die Veranstaltung bereits zuvor ausgerichtet hat. Aber seht selbst:
Die After-Party
Und natürlich gab es auch eine After-Party. Der Veranstaltungsort hatte einen großen offenen Bereich, in dem die Teilnehmenden leckeres (kostenloses) Essen und einige Getränke genießen konnten. Wir sind nur etwa zwei Stunden geblieben, aber das Organisationsteam war verrückt genug, die After-Party bis 4:00 Uhr morgens laufen zu lassen. Ich frage mich, wie viele Leute so lange geblieben sind (und auch schon um 20:00 Uhr dort waren).
Fazit
Das war mein 60. WordCamp (wenn man die inoffiziellen „Camps“ mitzählt), und es war mein erstes als Vater. In drei Wochen fahren wir in meine Heimatstadt Mannheim, um am nächsten teilzunehmen. Wer weiß, vielleicht bewirbt sich mein Kind irgendwann auch als Volunteer oder hält sogar einen Vortrag. Oder vielleicht ist das Interesse an WordCamps nicht mehr so groß, was mich ein bisschen enttäuschen würde. Aber bis dahin freue ich mich darauf, zu sehen, wie sich meine Teilnahme an WordCamps verändern wird, jetzt, wo ich mit meiner neuen Familie zu vielen davon reisen werde.