Rettet Google Street View – ein pragmatischer Ansatz

Ich kann es langsam nicht mehr hören. Es vergeht kein Tag, an dem nicht in den Medien lautstark gegen Google Street View gewettert wird. Es werden fast ausschließlich die Gefahren genannt, aber nie die Vorteile. Ich kann bis heute nicht verstehen, warum es darum so ein großes Aufsehen gibt. Aber die wahrscheinlichste Erklärung ist vermutlich, dass ein Großteil der Leute, die darüber diskutieren, gar nicht weiß worum es eigentlich geht.

Ich kann ja die Hausbesitzer verstehen, die aus Paranoia ohnehin schon eine 2m hohe Hecke um ihr Haus haben und über die nun die Kamera der Google Autos drüber fotografiert hat. Es gibt bestimmt auch viele Menschen, die denken, dass es sich um Live-Bilder handelt, was natürlich nicht der Fall ist. Auch kann vermutlich nur schwer festgestellt werden, wann das entsprechende Bild gemacht wurde, so dass auch niemand, der vielleicht doch erkannt werden kann, in Bedrängnis kommen sollte.

Da es in anderen Ländern keine so große Aufregung über Google Street View gab, sollten wir uns in Deutschland doch wirklich mal zusammenreißen. Jeder kann ja Widerspruch einlegen, wenn das Bild des eigenen Hauses dann doch entfernt werden soll. Die Forderung von unserer Verbraucherschutzministerin die Frist zu verdoppeln halte ich auch für unnötig. Die Begründung, dass viele in den Schulferien sind ist nicht gerade sehr überzeugend. Zum einen gab es die Möglichkeit zum Widerspruch schon seit April und zum anderen ist bestimmt nicht jeder 4 Wochen am Stück im Urlaub. Die Frist wurde mitterweile aber wirklich um 4 Wochen verlängert, was für uns vermutlich bedeutet, dass der Start auch später erfolgen wird.

Ganz toll im Zusammenhang mit dem Widerspruch finde ich ja den Lösungsvorschlag, dass Google jeden Hausbesitzer fragen muss, ob er das Bild veröffentlichen darf. Das ist wirklich eine sehr praktikable Lösung. Ich sehe auch schon die Protestwelle, die dann beim Sammeln aller Anschriften der gesamten deutschen Bevölkerung durch Google entsteht.

Um zu zeigen, dass es mir egal ist, ob mein Haus in Google Street View zu sehen ist (ich möchte sogar ausdrücklich, dass es dort zu sehen ist), habe ich mich entschlossen einfach mal ein Foto davon hier auf meinen Blog zu stellen. Und so sieht meine Hausfassade aus:

Hausfassade

Ich denke nicht, dass ein Gesetzt mir verbieten kann, dieses Bild hier zu veröffentlichen. Es kann mir vermutlich auch nicht verbieten, es geokodiert auf Google Maps zu veröffentlichen. So wäre es also denkbar eine Stelle, die in Street View fehlt einfach noch einmal selbst zu fotografieren und geokodiert in Google Maps hochzuladen. Glücklicherweise zeigt Google Street View ja auch noch Bilder zu einer Position an, an der man sich gerade befindet.

Wer also Lust hat es mir nach zu tun, der sollte jetzt einfach raus gehen, ein Bild von seinem Hause machen und es dann bei sich auf Facebook, Twitter, Flickr, Picasa oder wo auch immer hochladen.

Vielleicht kommt die Bundesregierung dann dahinter, dass es rund um das Web sehr viel dringendere Themen gibt, die es zu klären gibt. Ein Thema finde ich dabei besonders toll: den Internet-Führerschein. Ich bin sehr dafür diesen einzuführen und zwar nur für Politiker. Die Kriterien zum bestehen kommen dabei von der Community und jeder Politiker, der ihn noch nicht bestanden hat, das sich zu keinem Internet-Thema mehr äußern. Dann würden wenigstens die wichtigen Online-Themen auch nur von den Politikern diskutiert werden, die wirklich Ahnung davon haben. Von einem Mitarbeiter ein Facebook oder Twitter Profil anlegen zu lasen und sich dann nie persönlich darum kümmern ist nicht ausreichend seine Internet-Kenntnisse darzustellen.

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Bernhard ist fest angestellter Webentwickler, entwickelt in seiner Freizeit Plugin, schreibt in seinem Blog über WordPress und andere Themen, treibt sich gerne bei den WP Meetups in Berlin und Potsdam herum und läuft nach Feierabend den ein oder anderen Halbmarathon.

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde das alles ohnehin übertrieben. Man sieht ja hier ganz deutlich, dass man nicht durch die Fenster gucken kann. Und was hat man davon, eine Hausfassade zu sehen? Bei Google Maps kann man es sogar von oben sehen, inclusive Straße, so dass es leicht zu finden ist. Und da beschwert sich auch keiner. Ebenso wenig wie über die vielen Kundendaten, die der Supermarkt mit Kundenkarten sammelt. Aber da kann man ja immerhin was gewinnen. Herrjeh.

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